Verfassungsmäßig

Gedanken, Politik October 16th, 2009

Ich war zwar nie besonders politisch engagiert, aber mich hat es gerade gereizt, mittels Wordle die österreichische Verfassung zu visualisieren, um zu sehen, welche Begriffe nach Konkordanzanalyse (Häufigkeit ihres Vorkommens im Text) bedeutendsten sind.

Wordle: Österreichische Verfassung

Dass “Artikel” und “Absatz” am größten hervortreten, mag noch an der Struktur des Dokumentes liegen. Dass aber das Volk oder Bürger nur noch als Volksanwaltschaft sehr klein zu finden ist, finde ich zumindest ein wenig bedenklich. Obwohl im Text das Volk zumindest an prominenter Stelle erwähnt ist. Das ist aber, neben einer zweiten Erwähnung, auch schon die einzige.

Wordle: Constitution of the Republic of Austria

Wenn die eigene Währung nicht mehr passt

News, Politik August 18th, 2009

Mendo CreditsGelegentlich gibt selbst das Wiener Bezirksjournal interessant Hinweise auf Entwicklungen, die an einem üblicherweise spurlos vorübergehen, da man nicht direkt davon betroffen ist. Jugendjournalist Sebastian Petraschek berichtet über ein Local Money Projekt, das im Mendocino County, CA, gestartet wurde. Ziel ist es, einem möglichen Wertverfall des Dollars zuvorzukommen, und die tägliche Versorgung mit Lebensmittel auf eine andere finanzielle Basis zu stellen, den Mendo Moola. Ausgangsbasis ist die Überlegung, dass, je mehr Geld im lokalen Umfeld zirkuliert, die lokale Wertschöpfung größer und mehr Arbeit geschaffen und die Gemeinschaft umso reicher wird.

Jason Bradford von The Oil Drum hat einen längeren, sehr lesenswerten Artikel “Food-backed local money” zum Thema geschrieben, in welchem er die Mendo Credits vorstellt, den ich nur empfehlen kann.

Afrikanische Sonne für Europa

News, Politik June 17th, 2009

Die Diskussion über die Idee, in Nordafrika riesige Sonnenkraftwerke auf Basis solarthermischer Anlagen wie Andasol 1 und 2 zu errichten und den so erzeugten Strom per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung nach Europa zu liefern, ist inzwischen eine ältere. Der Club of Rome hat über sein Projekt “Desertec” ein White Paper veröffentlicht, und betreibt gleichzeitig intensives Lobbying dafür.

Dass sich nun jemand gefunden hat, das ganze umzusetzen, ist eine kühnes Unterfangen. Und mit einer kolportierten Investitionssumme von 400 Milliarden Euro ein teures.

Ich hoffe, dass diese Idee tatsächlich umgesetzt wird. Ich gehe davon aus, dass dies der Diskussion um die Energieproblematik nicht nur Europas einen ungeheuren Schub geben würde. Die Industrie hätte auch entsprechende Hebel, die Politik zu reizen, die wiederum sogar Rückwirkungen auf die Entwicklung des Sektors erneuerbare Energie in Österreich haben könnten. Bekanntermaßen kann man ja seit der Neufassung des Ökostromgesetzes 2006 nicht mehr von der Entwicklung erneuerbarer Energien in Österreich sprechen. Falls die Energiestrategie der Minister Mitterlehner und Berlakovich die richtige Richtung einschlägt und nicht ausschließlich durch viel Reden und wenig Handeln gekennzeichnet ist, könnte es ja doch noch ein erneuerbares Licht aufgehen.

Süddeutsche Zeitung
Wüstenstrom für Deutschland
Projektname “Desertec”

Der Standard

Zwanzig Konzerne planen Solarstrom-Projekt in Afrika
Wüstenstrom für EU-Haushalte

Nichts mehr zu sagen

Adbusting, Medien, Politik June 9th, 2009

Sprachloser Svoboda - Adbusting im 20ten Wahlzeit ist Adbusting-Zeit. Plakate werden verändert, verunstaltet oder verziert. Oft aus Spaß und Gelegenheit, oft ohne Hintergedanke. Manchmal clever gemacht.

Die Europawahl vom Sonntag war wienweit in Punkto Adbusting eine Enttäuschung. Findet man sonst an vielen Orten Politiker mit falschen Bärten, Brillen oder unziemlicheren Applikationen, gab es dieses Mal kaum ungezügelte Kreativität im öffentlichen Raum.

Der einzigen interessanten Plakataddition, der ich begegnet bin, ist jene auf dem Foto. Ein kleines Detail, nichts weiter. Hannes Swoboda, Spitzenkandidat der SPÖ für das Europäische Parlament, hat nichts mehr zu sagen. Eine leere Sprechblase definiert die Inhaltslosigkeit (nicht nur des SPÖ-) Wahlkampfs.

Fand ich gut.