DNP13: Das Radar der NSA unterlaufen

Kommentar, Netz, Politik September 21st, 2013

Edward Snowdens wesentliche Leistung war, laut Erich Moechel, die Enttarnung und Entzauberung aller aktueller Geheimdienstmethoden. Nicht nur der der NSA, sondern aller Geheimdienste, da diese höchstens mit Varianten dieser arbeiten. Das Wissen darüber ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, egal wie sehr sich die versammelten Geheimdienste anstrengen und JournalistInnen in ihrer Arbeit stören möchten. Die Suche nach Schwachstellen im Geheimdienst-System auf der Basis dieses Wissens hat gerade erst begonnen. Als erste Reaktion wurde die Verwendung von Kryptografie weltweit hochgefahren, nachdem sich der Verdacht auf Wirtschaftsspionage mehr als erhärtet hat.

Die NSA sagt von sich selbst, sagte Moechel, dass sie schon immer Kommunikationen aller Art abgefangen und ausgewertet hat. Echelon ist das beste Beispiel. Gerade deshalb fordert die NSA den ungehinderten Zugang zu den Glasfasernetzen dieser Welt. Eine weitere Behauptung der Agentur ist, dass sie vier von zehn verschlüsselten Transmissionen knacken können. Das, sagte Moechel, ist aber nur eine vage Behauptung. Sie entschlüsseln nichts wirklich: Es wird daran gearbeitet, scheinbar sichere Verschlüsselungstechniken im Vorfeld so zu manipulieren, dass der mathematische Aufwand zur Entschlüsselung in einen – mit aktueller Technik – realistischen Rahmen rückt. Solche Hintertürchen wurden und werden vielerorts eingebaut, so dass ein Sammelsurium an Methoden entstanden ist.

Daneben gibt es die Zusammenarbeit mit großen Web-Anbietern wie Google und Facebook, die per Gesetz verpflichtet wurden. Und die NSA ist ein gigantisches Unterfangen: so wird von ihr pausenlos mehr Geld gefordert, um den Aufgaben nachkommen zu können, und ohne Vertragsfirmen – bei einer solchen hat auch Snowden gearbeitet – würde schon längst nichts mehr gehen. Und Moechel zeigte auf, dass mehrere hochrangige Ex-NSA-Mitarbeiter inzwischen als Präsidenten bei genau diesen Auftragnehmern sitzen. “Es ist ein elendiglich blödes Kasperltheater,” sagte Moechel,“ das da pro forma gespielt wird auf der Weltbühne. Jetzt schäumt man in Brüssel. Jetzt geht es erst richtig los.”

Dabei, merkt Moechel an, hat die NSA kein einziges kryptologisches Verfahren tatsächlich geknackt. Sie sind beim AES 256bit Lichtjahre davon entfernt. Deshalb werden die Implementationen kryptografischer Verfahren und die Peripherie starker Kryptografie attackiert. So wurde der Zufall aus vielen Zufallszahl-Generatoren genommen, bekannte Kurven in Elliptic Curve-Krypto-Algorithmen kürzen die reale Schlüssellänge auf eine technisch machbare Größe. Alle diese Methoden sind extrem fragil: kleine Korrekturen des globalen Setups reichen aus, um die Gesamtheit der NSA-Programme binnen kurzer Zeit lahm zu legen.
Im Europäischen Parlament gibt es aufgrund der Enthüllungen nun massive Bedenken gegenüber den Amerikanern, das erstreckt sich auch auf die konservativen Fraktionen, die massiv gegen die Möglichkeiten der Wirtschaftsspionage vorgehen. Nach der Sommerpause tritt das Parlament erst jetzt wieder zusammen, um eine europäische Antwort zu formulieren.

Das alles hat zur Folge, dass die globale Datenaquise für die NSA immer schwieriger wird. Der Druck ist weg, den die NSA auf die Wirtschaft ausüben konnte. Umgekehrt ist der Mediendruck auf die Agentur inzwischen extrem hoch. Die Versicherung der NSA, ihnen zu vertrauen, hilft ihnen gar nicht mehr. Ein ärgeres Versagen, sagte Moechel, als dass Geheimdienstpläne öffentlich gemacht werde, gibt es nicht. “Ich habe mir nicht gedacht, dass das mit so einem Knall herauskommt, und dass es so weitergeht.” Gerade durch die Veröffentlichung der Methoden werden die Agenturen gezwungen, interne Abläufe noch komplizierter zu machen, zusätzliche Sicherheitsschranken einzubauen und damit noch unbeweglicher zu werden. Noch dazu geht der Ansatz der NSA von naiven Nutzern aus, die alle US-Cloudservices nutzen, auch Software und Router aus den USA. Über Cisco wurde bis jetzt nicht gesagt, warnt Moechel.

Gesunde Paranoia ist das, was Nutzerin und Nutzer nun braucht. Sie hilft gegen Überachung wie Fieber gegen grippale Infekte. In einem ersten Schritt kann jeder für sich überlegen, welche Services genutzt werden und welche tatsächlich essentiell für uns sind. Browser mit Plugins aufrüsten: Firefox mit NoScript, Ghostery, dem Tor-Plugin, Third Party Cookies und Javascript deaktivieren und nur akzeptieren, wenn unbedingt nötig. “Gebt Google, was Googles ist, sonst aber nichts!”, menetekelte Moechel. Wenn man Services von Google verwendet, dann kann man auch Chrome dafür verwenden.

Überhaupt, sagte Moechel, kann man die moderne Browservielfalt für sich nutzen, um seine eigene Persönlichkeit in mehrere aufzuspalten. Das geht ganz einfach: man nutzt Chrome für Google Services, Firefox immer dann, wenn die Kreditkarte gefordert ist, und Facebook und Amazon nur mit Safari. Internet Banking macht man über Internet Explorer. Kern ist, verschiedene Anwendungen und Anwendungsbereiche auf verschiedene Browser aufzuteilen. Die Services, die am meisten Daten sammeln, isoliert man am besten in einem Browser. Dieses etwas weniger an Bequemlichkeit bringt viel für Sicherheit gegen Profiling. Auf jede Massendurchsuchung der Daten wirkt sich so ein Verhalten verheerend aus.

Möchte man einen Schritt weiter gehen, fängt man an, E-Mails zu verschlüsseln: Thunderbird mit Enigmail-Plugin nutzen und den PGP-Schlüssel mit einem Ablaufdatum versehen. Dazu sollte man darauf verzichten, Schlüssel zu signieren. “Wenn ich sehe, dass der Schlüssel von fremden Personen signiert ist, sehe ich sofort, wer dessen Peer Group ist. Das ist sträflicher Blödsinn! Man gibt seinen Bekanntenkreis preis.”, warnte Moechel. Das alles muss man nicht zu einhundert Prozent umsetzen. Jede Maßnahme erzeugt zusätzliche Schattenprofile und vervielfacht den Aufwand, um relevante Ergebnisse zu erhalten. Verschlüsselte Alltagsmails helfen, die Datencenter der NSA in Utah und Fort Meade zu beschäftigen, da jede verschlüsselte Mail Overhead erzeugt, die die Ergebnisse schwieriger auffindbar machen. “Weniger Ordnung ist gut für die Bürgerrechte und schlecht für die Überwachung.” sagte Moechel. “Die NSA-Systeme skalieren unter Belastung nonlinear negativ. Das System hält mit dem Wachstum des Aufwands nicht Schritt, ist punktuell gebaut.” Gemeinsam kann man es schaffen, der NSA die Rechenkapazität unter den Füßen weg zu ziehen.

Moechel gab, auf die Frage aus dem Publikum, eine Einschätzung der Lage bezüglich der Villa in Pötzleinsdorf. Kann die NSA dort auf österreichische Daten zugreifen? Seine Antwort: “Ich kann über die Villa nichts definitv sagen. Was das sein wird, ist kein Abhörposten, sondern eine Relais-Station. Die meisten Antennen sind Richtfunkantennen. Ich glaube, dass die Funkverbindungen halten zwischen den [US-]Locations in Wien. So schaut mir auch die Anordnung der Antennen aus. Dort wird nichts mit Glas gemacht, außer das Bundesheer hat eines raufgelegt. Wenn sie wo sitzen, sitzen sie in den Exchanges. Ich glaube nicht, dass das bei uns in dem Ausmaß wie in Deutschland geschieht. Sie holen eh dort die Daten, bei uns geht es nur durch.”

DNP13: Innere Sicherheit in Europa

Kommentar, Netz, News, Politik September 20th, 2013

Auf den ersten Blick glaubt man, das Innere Sicherheit ein sprödes Thema ist, eines, das man sich ungern annehmen möchte, und eines, über das man am besten nicht zu viel erfahren möchte. Zu sehr und zu schnell könnte man sich da an etwas reiben, das dem Geheimdienstskandal entspricht, der uns schon seit geraumer Zeit verfolgt – und noch ein Weilchen verfolgen wird. Am Kongress Daten’Netz’Politik 2013 hat Alexander Sander ausführlich zu dem Thema gesprochen.

Die Europäische Union und Innere Sicherheit: welche Organisationen und Verträge können Sie da nennen? Schengen, Europol, … Frontex, und … … …? Ging mir genau so.

Innere Sicherheit, das sind alle Mittel, die von Staats wegen zum Schutz der verfassungsrechtlichen Ordnung getroffen werden, und die gestützt werden durch ein dafür geschaffenes System staatlicher Institutionen. Es ist, deutlichsten im Ministerium für Inneres sichtbar gemacht, ein zentraler Bestandteil nationaler Politik. Die Exekutive ist das ausführende Organ im Staatsgefüge, um die innere Sicherheit aufrecht zu erhalten.

Aber welche Mittel und Wege werden eingesetzt in der EU? Alexander Sander hat sie zusammengefasst.

Mutter aller Organisationen ist die Interpol, die laut Wikipedia 1923 in Wien gegründet wurde und derzeit 190 Mitgliedsstaaten umfasst. Das Bezeichnendste am reibungslosen Funktionieren dieses Apparats ist, dass niemand genau weiß, wie dieser funktioniert. Zwar hat jedes Mitgliedsland innerhalb der Generalversammlung eine Stimme, und Entschließungen erfolgen nach demokratischen Prinzipien, aber eine unabhängige Kontrollinstanz ist nicht vorgesehen, auch nicht eine parlamentarische Kontrolle. Damit wurde eine Blaupause für das Funktionieren von internationalen Organisationen außerhalb des durch Wahlen demokratisch legitimierten Rahmens geschaffen – gemeinsam mit der TREVI-Gruppe, die die grundlegenden innereuropäischen Verhandlungen zur polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen vorbereitete.

Das Besondere der TREVI-Gruppe war ihre Struktur als Arbeitsgruppe auf Ministerebene, deren Inhalte von BeamtInnen vorbereitet wurden.
Diese Organisationsform war und ist ein maßgebliches Vorbild für die heutige Arbeitsweise, eine intergouvernmentale Arbeitsgruppe, die unabhängig aller Kontrollmöglichkeiten angesiedelt ist.

Was danach folgte, war eine Vielzahl von Abkommen, wie Schengen, Maastricht, Amsterdam und Tampere
Die große Zäsur erfolgte nach den Terroranschlägen in New York am 11.9.2001 und später jene von Madrid 2004 und London 2005. Viele Gesetze, die nichts mehr mit Terrorismusbekämpfung zu tun hatten, aber in den Themenkreis Innere Sicherheit gehörten, wurden in der Gunst der Stunde durchgepeitscht. Zentrales Element war nach Alexander Sander die Einführung des europäischen Haftbefehls.
So bringt der Vertrag von Nizza zwar die Annahme der Grundrechte-Charta, das Haager Programm aber die Beschließung der Vorratsdatenspeicherung und der Grenz-Agentur Frontex, und der außerhalb der EU beschlossene, zwischenstaatliche Prümer Vertrag den Beschluss, dass die Exekutiven der einzelnen Staaten ungehindert auf DNA-Datenbanken der anderen Unterzeichnerstaaten zugreifen können. So erhalten Länder zum Teil Zugriff auf Daten, die ihnen das Recht im eigenen Land untersagen würde. Österreich hat hier eine Menge an Daten gespeichert, die sogar dem Verwaltungsgerichtshof zu viel war.
Der Vertrag von Lissabon, das derzeit gültige Regelwerk der Europäische Union, beinhaltet zwar nicht die Charta der Grundrechte als Teil des Vertrags, aber stärkt die Rolle des Europäischen Parlaments deutlich. Die neue Entscheidungskompetenz wird zum ersten Mal deutlich in der Diskussion um ACTA.

Wie es innerhalb der EU mit diesem gewichtigen Thema weitergehen soll, war die ebenso gewichtige Abschlussfrage von Alexander Sander. Er sieht eine Ausdehnung der Vorratsdatenspeicherung auf uns zu kommen, ebenso wie eine Ausweitung kriminal-präventiver Maßnahmen. Deutschland steht hier stark dahinter. Eine europäische Fan-Datenbank soll aufgebaut werden, die dann unter bestimmten Bedingungen bei Großveranstaltungen ihr Land nicht mehr verlassen dürfen. Das sehr Deutschland-spezifische Problem stellt sich wiederum in vielen anderen Staaten nicht. Eine Koalition der Willigen vorausgesetzt, wäre eine außereuropäische Lösung ähnlich des Vertrags von Prüm möglich. Wie man das legitimieren möchte, fragt sich nicht nur Alexander Sander. Der eingeschlagene informelle Weg beraubt den Parlamenten ihre Kontrollfunktion und ihr Mitspracherecht. Hier werden viel zu schnell Fakten geschaffen, nicht nur vom Rat, sondern auch von der Kommission, die auch monetäre Druckmittel gegenüber dem Parlament einsetzt, um es vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Um Probleme zu vermeiden, wie sie gerade mit der USA und ihren Geheimdiensten bestehen, müsste im Betrieb der Internet-Infrastruktur mehr darauf geachtet werden, dass nur die Datenpakete Europa verlassen, die tatsächlich auch Europa verlassen sollen, und den innereuropäischen Datenverkehr auch innereuropäisch zu routen, und amerikanische Internetknoten hier außen vor zu lassen.

ACTA, das Urheberrecht, die EU und das Internet

Kommentar, Politik September 9th, 2012

ACTA - Full Text-Wordle

Der Kongress Daten.Netz.Politik 2012 hat gestern Mittag begonnen mit einer Podiumsdiskussion zum Kernthema der Veranstaltung: Wie beeinflusst das bestehende Urheberrecht den Umgang mit den Möglichkeiten des Internets, was kann oder sollte man tun, um geltendes Recht an den bestehenden digitalen Rahmen anzupassen, was ACTA damit zu tun gehabt hat und warum CETA ein genauso großes Problem darstellt.

Am Panel waren der Moderator Markus Stoff, MEP Eva Lichtenberger von den Grünen, der fraktionslose MEP Martin Ehrenhauser, leider nicht die MEP Evelyn Regner, die kurzfristig abgesagt hat, Marie Humeau von European Digital Rights und ein virtueller MEP Othmar Karas, dessen Videobotschaft als Antithese die Diskussion eröffnet hat.

Für Karas stellt die Idee hinter ACTA grundlegend kein Problem dar, dass ein Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen Waren aller Art vor Fälschungen schützen möge. Er sieht das Grundkonzept als sinnvoll, da durch Produktfälschungen erheblicher monetärer Schaden entsteht, wie auch das Vertrauen der Bevölkerung an der Echtheit der Waren schwindet. Ein starkes Urheberrecht stärkt die Wirtschaft, sagt Karas und sieht die Aufgabe der EU darin, Unternehmen und KundInnen zu schützen. ACTA hätte zu diesem Schutz einen Beitrag geleistet. Arbeitspläze werden dadurch geschaffen, dass das Urheberrecht stringent ist, sagt Karas. Das Scheitern der Vorlage sieht er als die Chance, das Urheberrecht besser zu gestalten und die individuellen Rechte, seien es jene natürlicher Personen oder Rechtspersonen, zu schützen. Eine neue Lösung soll hier angestrebt werden, die auch Transparenz verordnet.

Lichtenberger bringt ein wesentliches Argument gegen eine übergreifende rechtliche Lösung zur Produktpiraterie: fehlende Differenzierung. Kann ich physisches, materielles und geistiges Eigentum gleich behandeln? Kann ich die gefälschte Gucci-Tasche, das gefälschte Viagra und einen Download von The Pirate Bay in einen Topf werfen? ACTA war der Versuch einer solchen Gleichstellung, obwohl die potentiellen Auswirkungen für den Kunden oder die Wirtschaft erhebliche Unterschiede hätten, von marginal bis lebensbedrohend. Es sind drei paar Schuhe, deren Probleme unterschiedlich gelöst werden müssen, sagt Lichtenberger.

Ehrenhauser sieht ACTA diametral anders als den Garanten für Innovation und Wirtschaftsförderung, für den Karas das Abkommen gehalten hat. Jede zusätzliche Schutzmaßnahme des Status Quo verhindert, dass freies Wissen sein Werk verrichten kann: Innovation und Fortschritt zu fördern. Der Aufstand der Zivilgesellschaft gegen ACTA könnte für ihn Beginn einer Wende sein, hin zu weniger Schutz und mehr Freiheit. Aber nur, wenn die Proteste gegen weitere, ähnliche Abkommen nicht abreissen und die Zivilgesellschaft wachsam bleibt. Die Europäische Kommission möchte diese Wende noch nicht mitmachen, das sieht man an den Vertragsentwürfen zu CETA und den bilateralen Abkommen mit Südkorea, sagt Ehrenhauser. Die Gesellschaft kann durch freies Wissen und freie Information vorangebracht werden. Beispiele für den richtigen Weg im Urheberrecht für Ehrenhauser wären Regelungen wie eine Fair-Use-Klausel oder die Verkürzung von Werkschutzfristen. Er meint, dass die Abgeordneten es ohne die Proteste der Zivilbevölkerung es nicht geschafft hätten, ACTA zu stoppen.

Für Marie Humeau war ACTA bedeutend, weil die Proteste zum ersten Mal gezeigt haben, dass sich die EU-Bürger um die Wahrung ihrer Rechte sorgen und dafür bereit sind, auch auf die Straße zu gehen.

Und was bedeutet das alles für mich?

Das bestehende Urheberrecht schiebt einer Unzahl von Möglichkeiten des Digitalen einen Riegel vor. Was aber gebraucht wird, ist kein Riegel, sondern ein Retina-Scanner. Keine Regelung aus dem 19. Jahrhundert, sondern eine, die dem 21. Jahrhundert entspricht und auch für künftige Entwicklungen geeignet scheint, die das Digitale vervorbringen kann. Eine passgenaue Lösung, die eingeht auf die je individuellen Bedürfnisse am Schutz des eigenen digitalen oder analogen Werkes. Die totale Freiheit, das würde heißen die Nicht-Regelung, halte ich im rechtsstaatlichen Rahmen für keine Alternative. ACTA war der Anlassfall, der eine Grundsatzdiskussion zum Urheberrecht voranbringen kann, da ACTA in der Lage gewesen wäre, den Status Quo noch stärker zu zementieren. Dagegen wurde revoltiert.

Die medialen Strukturen des 19. und 20. Jahrhunderts, der Status Quo, bilden die Basis für die Ausformung der bestehender Rechtslage und der realwirtschaftlichen Implementation derselben in Form von Verwertungsgesellschaften und Rechteinhabern. Diese treffen auf radikal geänderte mediale Bedingungen, die evolutionär ihre eigenen Strukturen entwickelt und die nicht länger kompatibel sind mit dem analogen Bestand.

Im Panel wurden von mehren Seiten Fair-Use-Klausel, verkürzte Schutzfristen, eine generelle Urheberrechtsabgabe, und ähnliche Lösungen genannt. Alle davon sind geeignet, das Recht auf den richtigen Weg zu bringen.

Die ebenfalls diskutierten Problemfelder Internetsperren, privatisierte Zensur und Rechtsdurchsetzung wie Massenabmahnungen sind Blüten, die das bestehende System getrieben hat, um sich selbst vor dem Neuen zu schützen. Das wird auf Dauer nicht gelingen.

Noch was?

Eine Harmonisierung des Urheberrechts innerhalb der EU-27 wäre auch in meinen Augen höchste Eisenbahn, wie sie Marie Humeau gefordert hat; wie auch der (nicht nur) von Martin Ehrenhauser gewünschte Umbau des Brüssel’schen Institutionenapparats zu einem demokratisch legitimierten und transparenten. Die Vereinigten Staaten von Europa wären dann nicht mehr weit.

ACTA – Full Text Wordle PDF File

Ein Tablett voll Apfel

Apple, Computer, Hardware, Kommentar, Medien, News, Software January 29th, 2010

Nach Jahren der Gerüchteküche und des Geredes und nach noch mehr Jahren, seit die Idee des Tablet Computing geboren wurde, hat Apple mit seinem iPad ein Gerät dieser Kategorie auf den Markt gebracht. Dass mit diesem Gerät die Idee des Apple Newton und damit des Pen Computing nicht wieder auflebt, obwohl die äußere Form ähnlich ist – im wesentlichen ein Touchscreen und sonst nichts – ist durch die divergenten Eingabeparadigmata leicht erkennbar. Insofern blieb Steve Jobs seiner Ankündigung aus 2004 treu, den Newton nicht wieder zu beleben.

Ich habe eine erkleckliche Anzahl von Artikeln der letzten paar Tage gesammelt (siehe unten) und bin nicht überrascht ob der vielen negativen Reaktionen speziell die Funktionen und Ausstattung des Gerätes betreffend. Was da alles in der Gerüchteküche gebrodelt hat, muss diese Art Rückschlag verursachen. Eine überhitzte Medienschlacht an Meinungen und jede Menge gezielt (?) gestreuter Informationen kann nur eine ungenügende Erfüllung der überzogenen Erwartungen zur Folge haben. Vielfach wurde der Mangel an Schnittstellen, die fehlende iSight, das iPod-Betriebssystem, kein Flash-Support, begrenztes Multitasking und der Name kritisiert.

Ist die Kritik gerechtfertigt?

Kommt ganz auf den Standpunkt an.

Wunschliste

Ich hatte genauso wie alle meine Wünsche an das Apple Tablet. Die wesentlichsten davon waren:

  1. hohe Portabilität bei größtmöglichem Bildschirm
  2. hohe Bildqualität in jeder Betrachtungs- oder Beleuchtungssituation
  3. ein ausgefeilter PDF-Reader mit allen in Acrobat zur Verfügung stehenden Notizfunktionen – ich lese Text für gewöhnlich nicht nur, sondern kommentiere ihn ständig. Meine Bücher sind übersäht mit PostIts
  4. eine sinnvolle Textverarbeitung
  5. einfache Texteingabemethoden
  6. Kompatibilität mit der bestehenden iPhone-Software
  7. ein eBook-Reader mit Notiz- bzw. Kommentarfunktionen (siehe oben)
  8. die Möglichkeit, Präsentationen über das Gerät einzusehen und zu halten
  9. Eine VGA- oder DVI-Schnittstelle für den Anschluss eines Beamers
  10. einfache Synchronisation mit meinen Daten (Mail, Adressbuch, Kalender,…)
  11. Zugriff auf das Filesharing meines iMacs auf Festplattenebene
  12. einfacher Datenimport und -export zum/vom Gerät
  13. einfache Speichererweiterung (SD-Cardslot,…)

Soweit ich nachgesehen habe, hat Apple die meisten Punkte meiner – zugegeben nicht sehr langen – Liste erfüllt. Aber ich muss gestehen, dass ich keinen Bedarf an 3G-Uplinks habe, auch nicht an einem zusätzlichen Vertrag mit einem Telefonie-Servicebetreiber, oder eine Kamera in dem Gerät haben möchte. Für mich ist das Gerät überwiegend als Ergänzung zu meinem iMac interessant, als Möglichkeit, meine Daten in einer sehr praktischen und komfortablen Weise immer dabei haben zu können.

Ein paar Punkte, die mich ob der Kritik, die ich gelesen und gehört habe, ergänzen möchte:

Zur fehlenden Kamera

Warum hat das Gerät keine zum Benutzer schauende Kamera für Videokonferenzen? Allein die Vorstellung, dass eine Kamera fix an einem Punkt im schwarzen Rahmen des Geräts eingebaut ist und man sie für Videokonferenzen benutzen möchte, lässt mich erschaudern ob der ergonomischen Probleme, die das verursachen würde. Ich gehe davon aus, dass es genau diese ergonomischen Gründe sind, warum diese eben nicht eingebaut wurde. Für fünf Minuten ist es ja kein Problem, das Gerät senkrecht, mit ausgestrecktem Arm, vor sich zu halten, um ein gutes Bild von sich selbst zu erzeugen und gleichzeitig ein Bild des Gesprächspartners zu sehen, welches man ob dieser Entfernung im öffentlichen Raum anschreien müsste, damit das Mikrophon genug Schalldruck abbekommt. Für eine halbe Stunde? Nein. Natürlich, man kann den iPad einfach vor sich hin stellen, an eine Wand lehnen. Die Vorstellung der Vielzahl von ad-hoc-Zen-Mönchen vor weißen Wänden. Auch nein. Oder in den Schoß legen und den Kopf hängen lassen. Aber geh.

Dass die Platzierung der Kamera die Orientierungslosigkeit des Gerätes – alle Seiten sind gleichwertig – ruiniert hätte, kommt noch dazu. Im Moment kann, aufgrund des Designs und der Benutzeroberfläche, das Gerät gehalten werden wie auch immer gewünscht. Jede Richtung ist korrekt. Integriert man eine Kamera, geht diese Äquivalenz der Seiten verloren. Wie bedeutend das ist, wird sich allerdings erst in der Benutzung herauskristallisieren.

Eine Fotokamera wurde im wesentlichen nicht erwähnt, ob der Größe des Gerätes wäre es aber recht unhandlich zu bedienen. Ein iPhone ist für diesen Zweck viel geeigneter.

Zum iPhone-Vergleich

Überrascht haben mich die vielen Vergleiche mit dem iPhone in technischer – siehe Kamera – und in menschlicher Hinsicht. In diesen Vergleichen wird stets angenommen, dass sich die Käuferschichten des iPhones und des iPads decken, dass iPhone-Besitzer die primär zu adressierende Zielgruppe ist, wenn man das iPad verkaufen möchte. Ich sehe das etwas differenzierter. Da ich selbst kein iPhone habe und mir demnächst auch keines zulegen möchte – wesentlich aufgrund der relativ hohen monatlichen Kosten für den Telefonie- und Datentarif – falle ich sofort aus der iPhone-Zielgruppe.

Warum will ich das Ding dann trotzdem?

Während das iPhone ein Kommunikationsgerät (communication device) ist, ist das iPad vorwiegend ein Inhaltsgerät (content device), mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten. Für meine Telefoniebedürfnisse reicht ein billiges Handy und ein billiger Vertrag mit oder ohne Bindung, meinem Umgang mit eBooks, pdf-Dateien, Bildern, Präsentationen, ToDo-Listen, E-Mails oder Notizen kommt das iPad mit seiner multitouch-Oberfläche sehr entgegen. Arbeiten an digitalen Daten wird durch die sprichwörtliche Angreifbarkeit zum haptischen Erlebnis.

Die angebotene Tastatur ist für mich ein Anachronismus, eine Konzession an alle, die mit Tastatur und Maus am Computer sozialisiert wurden. Notwendigkeit besteht für beide keine mehr. Es wird spannend zu beobachten, wenn Kinder ohne unsere klassischen Eingabegeräte den Umgang mit dem Computer lernen. Der Rückgriff auf Tastatur und Maus, indirekt auf das klassische Desktopparadigma, ist in meinen Augen ein fatales Missverständnis des multitouch-Konzepts hinter dem iPad. Die Forderung nach dem klassischen Mac OS X daher eine verfehlte, Windows XP oder 7 auf Tablet PCs noch viel mehr.

Für den Erfolg der Plattform werden die Softwareentwickler und deren Ideen zur Integration von iPad-spezifischen multitouch-Konzepten in ihre Programme verantwortlich sein, die angebotenen Inhalte jeglicher Natur, sowie die erfolgreiche Kommunikation des Bedienkonzepts.

Linksammlung

In weiterer Folge ein “paar” Links zur Berichterstattung zum iPad. Kein Anspruch auf Vollständigkeit, alphabetische Sortierung der Publikationen.

All Things D
First Impressions of the New Apple iPad (Mossblog)
The iPad Is a Multimedia Device. So Where Are the Media? Be Patient. (MediaMemo)
Touch-Up: Apple’s iPad Improves Multitouch and Gesture Capabilities (Digital Daily)
Meet Apple’s iPad: Starts at $500, Supported by AT&T (Digital Daily)
Look Out, Dell, HP, Lenovo: iPad Is $499 (BoomTown)
It’s the iPad! 10 Hours of Battery Life, $499, 9.7-Inch Screen, and It Does Laundry! (BoomTown)
Before the Tablet: Apple’s Steve Jobs in 2004 Talks About Not Doing Another Newton (Video) (BoomTown)

AppleInsider
Hands on with Apple’s iPad (with videos and photos)
Apple posts QuickTime video of CEO Steve Jobs’ ‘iPad’ keynote
First iPad estimates: 4 million units in year one, 8 million in 2011
A closer look at Apple’s iPad bundled applications

Ars Technica
Insanely great? Ars reacts to the Apple iPad
Protestors: iPad is nothing more than a golden calf of DRM
Hands-on, first impressions, and Photo gallery of Apple iPad
Apple announces the iPad

CrunchGear
Apple has a solution for the iPad’s missing SD card slot and USB port: adapters
The iPad: our take

Daring Fireball
The iPad big picture

Engadget
The Apple iPad: starting at $499
Switched On: The iPad could succeed Apple TV
Editorial: Engadget on the Apple iPad
iPad or Kindle: will our wallets decide?
Apple iPad’s user interface in pictures
Apple iPad’s ‘Micro SIM’ explained
Apple announces iWork for iPad
Apple reveals iBookstore and app for the iPad
iPhone SDK calls out nonexistent iPad cam, confirms split views and popovers are iPad-specific
iPad vs. iPhone… fight!
iPad iBooks will be US only at launch?
Apple iPad first hands-on! (update: video!)
Apple iPAD outed in Borders bookstore survey?
Apple iPad tech specs: rumor vs. reality scorecard
iPad can run all iPhone apps unmodified, new iPhone SDK out today lets developers tweak apps for iPad use
Apple’s iPad keeping Adobe Flash away from your couch
Apple iPad launch day roundup: everything you need to know
Apple’s iPad keyboard dock, case and other accessories get the hands-on treatment
iPad powered by custom 1GHz Apple A4 chip
iPad won’t handle GSM voice calls — or will it?
Apple’s A4 chip is ARM Cortex A9 with an ARM Mali GPU?

Fast Company
Meet the iPad, and All of Its Ready-Made Competition
Apple’s iPad Name Not the First Choice for Women. Period.
The iPad’s Biggest Innovation: Its $500 Price
iPad Fact and Fiction: An Interactive Guide to Eight Years of Rumors and Reporting
Apple iPad Launch by the Numbers
Master of Magazine Design, on How iPad Will Revolutionize the Discipline
Can iPad Come Out and Play? Oh, Yeah: Game Industry

Frankfurter Allgemeine Zeitung
Jobs präsentiert “iPad” – Apples Computer für alles und jeden
Was serviert Steve Jobs?

Futurezone @ ORF
Apple stellt Tablet iPad vor
IPad: Der Kaffeehaus-Computer

Heise News
iPad: Apple präsentiert das erwartete Tablet
iPad: Multimedia und Apps für Couch-Surfer

helge.at
Warum das Apple iPad ein Megaseller wird

Huffington Post
MadTV’s iPad Video: Sketch Show PREDICTED Apple Product (blöd, wenn es “Pad” mehrere Homonyme hat…)

iLounge
Apple iPad Case

GigaOM
Alan Kay: With the Tablet, Apple Will Rule the World

Gizmodo
Apple iPad First Hands On
Apple iPad First Device to Use “Apple A4″ Processor
Apple iPad Hardware Revealed

GOOD.is
There Will Be No iTrain: Try Not to Get Too Caught Up in Apple’s Announcement

MobileCrunch
New iPhone SDK with iPad support coming today, 100% compatibility with iPhone apps

New York Times
Is the iPad the Final Nail in the GPS Coffin?
Three Reasons Why the iPad WON’T Kill Amazon’s Kindle
Three Reasons Why the iPad WILL Kill Amazon’s Kindle
Monitoring Twitter’s iPad Commentary
A Video Demonstration of the iPad
The iPad’s Name Makes Some Women Cringe
With Its Tablet, Apple Blurs Line Between Devices

O’Reilly Radar
The iPad and publishers: A survey of early reaction

Pentagram
Five Ways the iPad Will Change Magazine Design

The Register
Apple iPad spanked with Defective by Design protest
Steve Jobs uncloaks the ‘iPad’
Apple’s iPad – fat iPhone without the phone

Roughly Drafted Magazine
Daniel Eran Dilger’s iPad Apple Event Photos

Der Standard
Steve Jobs stellt Apple-Tablet “iPad” vor
Apple schließt Lücke zwischen iPhone und Laptop

TechCrunch
Confirmed – iPad to ship in Europe in March
Pictures: The iPad Being Manhandled
Everything You Need To Know About The iPad
Apple Doesn’t Own A Single iPad Related Domain Name
The iPad Is Like Holding The Future. But Only Because I Graduated From iPhone School.
The iPad Vs. The Kindle: How Should Amazon Respond?
Adobe: Flash Apps Will Run On The iPad, Even Full Screen At Some Point
As Publishers Try To Adapt To The iPad, Startups Spring To The Rescue
The iPad Comes With iBooks And Will Cost $500 To $830
Video: The iPad In Action
Think iBooks Looks Familiar? You’re Not The Only One.

The Unofficial Apple Weblog
First iPad sales estimates: four million this year, double that in 2011
Video of today’s Apple event is now available
Tom Bihn announces two iPad bags
What’s missing from the iPad
Apple making its own chips starting with the A4

VentureBeat
No Flash on Apple’s iPad

Wired
A Closer Look at Apple’s New Tablet, the iPad
Hands-On With the Apple iPad
Can Apple’s iPad Save the Media After All?
Eye-Catching iPad No Revolution, But Shows Promise
Analysis: Apple Bunts on iPad Gaming
With iPad, Apple Still Has a Fatal Attraction for AT&T

Zeit Online
Enthüllung in San Francisco
Apples Luxus-Notizblock

10 Punkte

Kommentar, Netz, News June 3rd, 2009

Michael Moore hat in einem 10 Punkte Programm gefordert, dass der amerikanische Staat als nunmehriger Mehrheitseigentümer von General Motors, ähnlich wie im zweiten Weltkrieg, die Produktion umstellen soll. Damals sind innerhalb weniger Monate statt PKWs Panzer und Flugzeuge vom Band gelaufen. Heute wären es, ginge es nach Moore, neben Hochgeschwindigkeitszügen japanischer Prägung hauptsächlich Windräder und Photovoltaikzellen.

So unrealistisch die Forderung ist, ist sie voll von jenem verwegenen Skeptizismus, den Moore als Dokumentarfilmer so bekannt gemacht hat. Eigenlich die richtige Lösung. Wäre nicht das Problem der Umsetzung und dem Fakt, dass Panzer im 2. WK unglaublich viel einfacher zu konstruieren waren als Photovoltaikzellen und Hochgeschwindigkeitszüge heute.

Goodbye, GM by Michael Moore