Bewerben verboten

Gedanken, Tagebuch, Verschiedenes June 10th, 2009

Mir ist bewusst, wie beliebt die letzte Staffel von Germany’s Next Topmodel von Heidi Klum war. 8000 Menschen bei der Abschlussveranstaltung in der KölnArena sind Zeichen genug.
Mir war nicht bewusst, wie sehr die “Wenn ich nicht gecastet bin, existiere ich nicht”-Welle die gesellschaftliche Wahrnehmung von beruflicher Leistung schon verändert hat.

C&A Fashionmania Lehrlingscasting

C&A veranstaltet für seine Lehrlinge ein Casting – kein Bewerbungsverfahren – und nennt das Fashionmania.

Wie kann man sich das vorstellen?

Sitzen drei Jury-Mitglieder, die hauptberuflich nicht bei C&A angestellt sein dürfen, vor dem Bewerber, der T-Shirts und Pullis zusammenlegen oder ins Regal hängen muss? Dem aufgetragen wird, mit einem Mysteryshopper ein Beratungsgespräch über die mögliche Hautunverträglichkeit von Farbstoffen zu zelebrieren? Das wird dann wahrscheinlich auf den internen Monitoren an alle MitarbeiterInnen übertragen, die dann abstimmen müssen, wer den Sieg davonträgt, kurz, den Job bekommt.

Sie gestehen sich und der Welt damit aber ein, dass Bewerbungsverfahren im üblichen Sinn für den Bewerber ohnehin nur ein Glücksspiel sind, in dem dieser nie erfährt, aus welchem Grund seine Bewerbung abgelehnt wurde.

Gesehen vor der C&A Filiale auf der Wiener Mariahilferstraße.

Jetzt

Gedanken, Haiku, Schreiben April 27th, 2009

Momente währen
in Ewigkeit. Die Zeit
drängt das Jetzt.

Tim sinniert über das nächste Netz

Computer, Gedanken, Medien, Netz, Software March 14th, 2009

Tim Berners-Lee erzählt aus dem Nähkästchen des Web-Urknalls, der 20 Jahre her ist, und verliert sich kurz in ein paar Anekdoten, als die Welt am CERN noch aus furchtbar vielen unterschiedlichen proprietären Dateiformaten bestand und die Idee des World Wide Webs bei seinem Chef als Freizeitprojekt durchgehen musste.
Seine Zukunftsvision “Linked Data” basiert auf der Idee des Hypertexts, geht aber, wie er sagt, über die ausschließliche Verknüpfung von Text hinaus und möchte jegliche Art von Daten miteinander in Beziehung setzen. Entscheidend ist, sagt er, dass jedermann und jederfrau sein oder ihr Schärflein dazu beiträgt, “Raw Data” ins Netz zu bringen und an bestehende Daten anzukoppeln. Aus der Sicht eines Wissenschaftlers wäre es traumhaft, dermaßen umfangreiches Datenmaterial zur Erforschung zur Verfügung gestellt zu bekommen, da interdisziplinäre Schlüsse erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht werden.
Der Hinweis, dass die Relationen von Daten überhaupt erst gewisse Schlüsse aufzeigen, ist angebracht. Wie viel können wir durch die Untersuchung der Relationen von Daten lernen?

TechCrunch
Twenty Years Later, The Web Is Finally Turning Into a Computer

Kommentar einer Ärgerlichen

Gedanken, Literatur November 8th, 2008

Haiders Seinstransfer ist inzwischen ein Weilchen aus. Die Wogen haben sich bekanntlich noch nicht geglättet. Kärntens Einwohner betätigen sich am lustigen Radmutternlockern zum Zwecke des Abflugs von Straßen und halten dabei Kerzen am Unfallort am brennen. Ein Ewiges Licht für den Verstorbenen?

Zum Thema Ewigkeit hat sich Elfriede Jelinek geäußert. In “Von Ewigkeit zu Ewigkeit” hat sie schon Ende Oktober ihre Sicht der Dinge dargelegt. Ganz so, wie man es von ihr gewohnt ist, wenn sie sich zu Österreich äußert.

(Ich wollte gerade den Tag Jörg Haider eingeben. Mir ist partout der Jörg nicht mehr eingefallen. Statt dessen kam Adolf Haider. Ich wusste, es falsch war, aber mir fiel es erst ein paar Sekunden später wieder ein.)

CO gegen CO2

Gedanken, Medien, Netz, News, Tippfehler November 2nd, 2008

Am 26. September dieses Jahres habe ich mich unter dem Titel “Keine Ruhmestat” darüber beklagt, dass selbst im Rahmen der aktuellen Klimadebatte die chemischen Summenformeln für CO2 nicht mehr korrekt wiedergegeben werden. Dazu habe ich am 31.10.2008 eine Rückmeldung und Klarstellung von Regina Pöll bekommen, die diesen Artikel geschrieben hatte, die ich hier im Rahmen eines offenen Briefes kommentieren möchte.

Sehr geehrte Frau Pöll,

Sie haben mir am 31.10.2008 folgende Rückmeldung auf meine Kritik zu Ihrem Artikel “CO2-Speicherung: Europas Klimaproblem ist lösbar” geschrieben:

Regina Pöll wrote:
Sehr geehrter “mask” – wer immer sich dahinter verbirgt; da ich gerade
über Ihre Kritik an meinem CO2(!)-Artikel stolpere: Tatsächlich ist der
Artikel im Print ausschließlich mit CO2 (und nicht etwa CO) erschienen – und
für die Printfassung bin ich verantwortlich. Offenbar ist beim Übersetzen der
Printversion in die Onlinefassung die niedriger gestellte “2″ mehrmals
verloren gegangen. schlicht ein Technik-Problem, aber jedenfalls gut zu wissen.
Ich darf Ihnen versichern, den Unterschied zwischen CO2 und CO zu kennen …
herzliche Grüße! Regina Pöll

Ich möchte mich auf diesem Weg bei Ihnen für das vorgefallene Missverständnis, das nach Ihrer Aussage auf einer problematischen Konvertierung des Textes, speziell der Subskripte, beruht und daher ein technisches Problem ist, entschuldigen und Ihnen mitteilen, dass ich davon ausgegangen bin, dass Sie den Unterschied zwischen Kohlenmonoxid und -dioxid kennen.

Meine Kritik, die ich in verschiedener Form schon öfters auf diesem Weblog geäußert habe, liegt im Wesentlichen darin, darauf hinzuweisen, wie viele Fehler sich gerade in den Online-Ausgaben der großen österreichischen Tageszeitungen finden.

Ich gehe davon aus, dass alle JournalistInnen über die entsprechenden Deutschkenntnisse verfügen, um in der Lage zu sein, die überwiegende Mehrheit der grammatischen Fehler zu vermeiden. Um zu erklären, warum es zu einer solchen Häufing von Fehlern in Artikeln kommt, fehlen mir die Informationen, das Problem scheint aber strukturell verankert zu sein. Darüber, welche Ursachen tatsächlich dahinter stehen, kann ich an dieser Stelle nur spekulieren. Unterbesetzte Redaktionen, der scheinbar notwendig gewordene Zwang des Journalismus, jedes Thema in möglichst kurzer Zeit möglichst umfangreich zu bearbeiten, Redaktionssysteme, die die Konvertierung von Text auf verschiedene Ausgabemedien nur unzulänglich leisten, fehlende Lektorate, um solche technischen Unzulänglichkeiten auszumerzen. Es ist bezeichnend für die von mir beschriebenen Probleme, dass die Fehler, die ich an Ihrem Artikel kritisiert habe, bis heute nicht korrigiert wurden.

Schlussendlich freut es mich, dass meine Arbeit auf diesem Weblog nicht ganz unbeachtet bleibt und ich dazu beitragen kann, dass diese Probleme möglicherweise diskutiert werden.

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Skopal