Zu spät für Pessimisten

Fotografie, Gedanken, Medien July 1st, 2009

Gestern habe ich den unten angefügten 15 minütigen Vortrag von Yann Arthus-Bertrand gesehen, den er auf einer TED Veranstaltung gehalten hat. TED, wie immer, regt sehr zu denken an.

In dem Vortrag umreißt er kurz seine Arbeit der letzten Jahre. Arthus-Bertrand ist einer der Fotografen, die die Erde aus der Luft in unglaublichen Bildern präsentieren. Mit diesen Bildern war der Fotograf in Wien 2004 schon vor dem Museumsquartier präsent, in einer Freilichtausstellung.

In dem Vortrag stellt er vor allem auch den Film vor, den er in den letzten Jahren gedreht hat. Home. Der Film, er wird von Arthus-Bertrand zur allgemeinen und freien Verfügung verteilt, ist ein eindringliches Plädoyer in Bild und Wort für die universelle Heimat des Menschen. In Bildern, die sehr an Godfrey Reggio’s Koyaanisqatsi, bzw. dessen gesamte “Quatsi”-Trilogie erinnern, erzählt er die Geschichte des Lebens auf der Erde, dessen Kreislauf und die Störungen, die der Mensch speziell in den letzten 50 Jahren in diesem Kreislauf verursacht hat.

Er zeichnet ein Bild der Verwüstung, verbrannte Erde, die der Mensch in seinem Hunger nach dem Mehr hinter sich gelassen hat, nur um den nächsten Hektar Wald zu verbrennen oder Ackerland verdorren zu lassen. Kein erfreuliches, aber ein realistisches Bild, unterfüttert mit Zahlenmaterial, dass nicht kalt lassen kann.

Der Film gibt eine Devise aus. Es ist zu spät, um pessimistisch zu sein. Gemeinsam – das ist das Wort, mit dem der Film schließt – gemeinsam muss die Menschheit die Verantwortung für die Welt übernehmen.

Dass Österreich hier positiv in der Entwicklung erneuerbarer Energien erwähnt wird, gerät in dem Moment im Film fast zum Hohn, sieht man sich diese Entwicklung gerade der Erneuerbaren in den letzten beiden Jahren an.

Home ist auf YouTube in HD-Auflösung, auch mit deutschen Untertiteln, verfügbar, ebenso wie als Torrent, in diesem Fall als mp4-File mit etwa 1,3 GByte. Da der Film unter einen Creative Commons Lizenz vertrieben wird, ist der Torrent im Übrigen auch rechtlich kein Problem.

Bewerben verboten

Gedanken, Tagebuch, Verschiedenes June 10th, 2009

Mir ist bewusst, wie beliebt die letzte Staffel von Germany’s Next Topmodel von Heidi Klum war. 8000 Menschen bei der Abschlussveranstaltung in der KölnArena sind Zeichen genug.
Mir war nicht bewusst, wie sehr die “Wenn ich nicht gecastet bin, existiere ich nicht”-Welle die gesellschaftliche Wahrnehmung von beruflicher Leistung schon verändert hat.

C&A Fashionmania Lehrlingscasting

C&A veranstaltet für seine Lehrlinge ein Casting – kein Bewerbungsverfahren – und nennt das Fashionmania.

Wie kann man sich das vorstellen?

Sitzen drei Jury-Mitglieder, die hauptberuflich nicht bei C&A angestellt sein dürfen, vor dem Bewerber, der T-Shirts und Pullis zusammenlegen oder ins Regal hängen muss? Dem aufgetragen wird, mit einem Mysteryshopper ein Beratungsgespräch über die mögliche Hautunverträglichkeit von Farbstoffen zu zelebrieren? Das wird dann wahrscheinlich auf den internen Monitoren an alle MitarbeiterInnen übertragen, die dann abstimmen müssen, wer den Sieg davonträgt, kurz, den Job bekommt.

Sie gestehen sich und der Welt damit aber ein, dass Bewerbungsverfahren im üblichen Sinn für den Bewerber ohnehin nur ein Glücksspiel sind, in dem dieser nie erfährt, aus welchem Grund seine Bewerbung abgelehnt wurde.

Gesehen vor der C&A Filiale auf der Wiener Mariahilferstraße.

Jetzt

Gedanken, Haiku, Schreiben April 27th, 2009

Momente währen
in Ewigkeit. Die Zeit
drängt das Jetzt.

Tim sinniert über das nächste Netz

Computer, Gedanken, Medien, Netz, Software March 14th, 2009

Tim Berners-Lee erzählt aus dem Nähkästchen des Web-Urknalls, der 20 Jahre her ist, und verliert sich kurz in ein paar Anekdoten, als die Welt am CERN noch aus furchtbar vielen unterschiedlichen proprietären Dateiformaten bestand und die Idee des World Wide Webs bei seinem Chef als Freizeitprojekt durchgehen musste.
Seine Zukunftsvision “Linked Data” basiert auf der Idee des Hypertexts, geht aber, wie er sagt, über die ausschließliche Verknüpfung von Text hinaus und möchte jegliche Art von Daten miteinander in Beziehung setzen. Entscheidend ist, sagt er, dass jedermann und jederfrau sein oder ihr Schärflein dazu beiträgt, “Raw Data” ins Netz zu bringen und an bestehende Daten anzukoppeln. Aus der Sicht eines Wissenschaftlers wäre es traumhaft, dermaßen umfangreiches Datenmaterial zur Erforschung zur Verfügung gestellt zu bekommen, da interdisziplinäre Schlüsse erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht werden.
Der Hinweis, dass die Relationen von Daten überhaupt erst gewisse Schlüsse aufzeigen, ist angebracht. Wie viel können wir durch die Untersuchung der Relationen von Daten lernen?

TechCrunch
Twenty Years Later, The Web Is Finally Turning Into a Computer

Kommentar einer Ärgerlichen

Gedanken, Literatur November 8th, 2008

Haiders Seinstransfer ist inzwischen ein Weilchen aus. Die Wogen haben sich bekanntlich noch nicht geglättet. Kärntens Einwohner betätigen sich am lustigen Radmutternlockern zum Zwecke des Abflugs von Straßen und halten dabei Kerzen am Unfallort am brennen. Ein Ewiges Licht für den Verstorbenen?

Zum Thema Ewigkeit hat sich Elfriede Jelinek geäußert. In “Von Ewigkeit zu Ewigkeit” hat sie schon Ende Oktober ihre Sicht der Dinge dargelegt. Ganz so, wie man es von ihr gewohnt ist, wenn sie sich zu Österreich äußert.

(Ich wollte gerade den Tag Jörg Haider eingeben. Mir ist partout der Jörg nicht mehr eingefallen. Statt dessen kam Adolf Haider. Ich wusste, es falsch war, aber mir fiel es erst ein paar Sekunden später wieder ein.)